Review: The Thing

Review: The Thing

Der US-Amerikanische Science-Fiction Autor John Wood Campbell Jr. schrieb im Jahre 1938 eine Kurzgeschichte mit dem schlichten Namen “Who Goes There?”. Es ging um eine Gruppe von Wissenschaftlern, die in der Antarktis ein außerirdisches Raumschiff finden. Die Geschichte sollte in den kommenden Jahren drei Mal verfilmt werden …

John Carpenter’s Alien-Terror “The Thing” (oder zu deutsch: “Das Ding aus einer anderen Welt”) gilt nicht zu Unrecht als Meisterwerk des modernen Horrors. Zudem ist der Film das wahrscheinlich beste Horror-Remake der Filmgeschichte … Carpenter’s Werk basiert lose auf dem 1951 erschienen “The Thing from Another World” von Regisseur Christian Nyby.

Hollywood’s Remake-Wahn ist Grund genug dem “Ding aus einer anderen Welt” erneut einen Leinwandauftritt zu bescheren. Somit stand die dritte Verfilmung von Campbell’s Kurzgeschichte an. Die Produzenten Marc Abraham und Eric Newman (Die bereits das grandiose “Dawn of the Dead”-Remake von Zack Snyder betreuten) waren allerdings der Ansicht, dass sich das Remake nicht mit Carpenter’s Original messen sollte. Die wenig originelle Idee: Man erzählt eine Prequel-Geschichte, die Story rund um das norwegische Forschungsteam, dessen Basis in Carpenter’s “Thing” inspiziert wird. Man merkt Regie-Neuling Matthijs van Heijningen Jr. den großen Respekt vor dem Original an. Man spürt die filmische Liebe in “The Thing” für seinen Vorgänger … und dennoch ist der Film voller neumodischer Fehler.

Ein norwegisches Forschungsteam findet unter einer dicken Eisfläche, in der Antarktis, ein gigantisches außerirdisches Raumschiff. Nicht weit entfernt vom Fundort, wird auch ein Passagier geborgen. Im Eis konserviert, wird er in die Basis der Norweger gebracht. Die Paläontologin Kate Lloyd (Mary Elizabeth Winstead) rät zur Vorsicht, doch das Team entnimmt bereits die ersten Gewebeproben, das Eisgefängnis des Außerirdischen schmilzt. Nach seiner Flucht, macht das Wesen Jagd auf das Forschungsteam und nimmt dabei die Gestalt der einzelnen Mitglieder an. Innerhalb des Teams kann niemand mehr dem anderen trauen. Jeder könnte der Jäger sein …

Heijningen’s Prequel ist ein Kniefall vor dem großen John Carpenter. Viele Dinge sind bis ins kleinste Detail dem Original nachempfunden (Sogar die Carpenter-typische Schrift wird für die Credits benutzt). Sei es eine Axt, oder das Monster-Design … Alles wurde auch im “Ding aus einer anderen Welt” gezeigt, Heijningen will nun die Erklärungen zu den einzelnen Begebenheiten liefern. So ist sein “The Thing” vor allem eine große Easter-Egg-Suche für Kenner und Fans des Originals. Und wie bereits erwähnt: Die Liebe zum Vorgänger ist merklich spürbar … Es muss Heijningen selbst zu einer Gänsehaut verholfen haben als im Intro des Filmes ein Teil von Ennio Morricone’s Score des Originals eingespielt wird, während die Kamera durch das ewige Eis fährt. Doch das Problem der Hommage ist, das sie kaum eigene innovative Ideen bietet, dem Genre nichts neues hinzufügen kann. Der Film hat es schwer als eigenständiges Werk, denn als Arbeit überzeugter “Fan-Boys”, wahrgenommen zu werden …

Zumindest nimmt Heijningen einige Änderungen gegenüber Carpenter’s Film vor. Während “Das Ding aus einer anderen Welt” gänzlich ohne weibliche Darsteller auskam, übernimmt im Prequel eine junge Paläontologin, die von Mary Elizabeth Winstead (“Scott Pilgrim vs. the World”) dargestellt wird, die Führung. Unverkennbar stand hier Sigourney Weaver’s Ellen Ripley aus der “Alien-Reihe” Pate, für die flammerwerferschwingende Wissenschaftlerin die gekonnt aus dem blassen Cast heraussticht. Hier verbirgt sich ein weiteres großes Problem des Prequels. Es fällt schwer eine emotionale Bindung zu dem gesichtslosen Team von skandinavischen Archetypen aufzubauen. Alles menschliche rund um die Hauptdarstellerin präsentiert sich blutleer und austauschbar. Dazu kommt der Klischee-Bösewicht Dr. Sander Halvorson (Ulrich Thomsen), der im “Sinne der Wissenschaft”, den einen oder anderen Menschen opfern würde um mehr über das extraterrestrische Wesen zu erfahren. Hubschrauberpilot Sam Carter (Joel Edgerton) ist eine weitere Figur mit etwas Persönlichkeit, die sich allerdings ebenfalls in der permanenten Benutzung des Flammenwerfers erschöpft.

Das faszinierende an Carpenter’s 1982 erschienen Film, war seine Konzeption der Alien-Invasion als klaustrophobisches Horror-Kammerspiel. Eine auf engstem Raum gepferchte Gruppe von Männern, irgendwo in ihrer Mitte der drohende Tod. Auch Matthijs van Heijningen Jr.’s Version versucht diese bedrohliche Stimmung einzufangen, doch mit dem uninteressanten Cast und dem fehlendem Figuren-Ausbau war es Heijningen unmöglich ein “Carpert’sches Kammerspiel” aufzubauen, das mit der nervenzereissenden Spannung des Originals arbeitet.

Allerdings schien dies dem jungen Regie-Neuling in gewisser Weise bewusst gewesen zu sein. Die wenigen Szenen in denen die Gruppe nach dem versteckten Alien sucht sind zwar vorhanden, sie sind aber nicht intensiv genug und werden zu schnell erzählt. Entweder schien Heijningen ein paar Probleme mit dem Tempo gehabt zu haben, da der Film oft überhetzt wirkt und sich nie die nötige Ruhe lässt um auf den Zuschauer einzuwirken … oder Heijningen hat seinem Cast einfach kein intensives Schauspiel, im Stile des Originals, zugetraut.

In diesem Zusammenhang erweitert der Regisseur auch die klaustrophobische Umgebung von Carpenter’s Original zu einem weitaus größerem Schauplatz und schickt im Zuge dessen seine Protagonisten quer durch die Arktis. Er bietet sogar ein komplett neues Setting, in Form des außerirdischen Schiffes, das (mal wieder) an Ridley Scott’s Design seines “Alien” erinnert. Trotzdem sind auch schöne Shots des bemerkenswerten Antarktis-Schauplatzes dabei. Für das “Terror-Kammerspiel” ist eben kein Platz in dem Prequel … der junge Regisseur weicht mit den bedeutenden Änderungen bewusst von Carpenter’s Arrangement ab. Doch auch dies begründet keinen eigenen Weg des Prequels, die Änderung wirken eher wie Verlegenheitslösungen.

Eine weitere große Stärke des Originals waren die legendären Animatronic-Effekte des Altmeisters Rob Bottin. Das fantastische Design der Monster hat auch Heijningen in seinem Film untergebracht. Allerdings wurden die althergebrachten Effekte durch CGI ersetzt. Die Computeranimationen sind dabei aber so “over the top”, dass man sie an keiner Stelle wirklich ernst nehmen kann … an Schockmomenten ist gar nicht erst zu denken. CGI fehlt im Generellen das Wertige und Markige von Puppen- und Animatronictricks, aber Heijningen’s digitale Alienfiguren sind so glänzend glattpoliert und blank geputzt, dass sie kaum dazu in der Lage sein werden Schrecken zu verbreiten … was bei dem Cast, voller potentiellem “Kanonenfutter” bereits eine undankbare Aufgabe war. Das dreckige und raue das Carpenter’s Figuren auszeichnete, geht Heijningen völlig ab. Zudem ist das “GCI-Thing” auch stets zu lange im Bild, um Spannung zu erzeugen … Carpenter verstand es seine Kreatur besser in Szene zu setzen, da er stets Nuancen und Schemen des Aliens präsentierte, die wahre Gestalt des Ungeheuers aber stets im Dunkeln ließ. An Heijningen’s “Thing” hat man sich hingegen bereits schnell sattgesehen.

Heijningen’s Prequel/Remake ist als Hommage an den Vorgänger sympathisch, als eigenständiger Film allerdings nicht ernst zu nehmen. Neben der Feier von Carpenter’s Meisterstück bietet “The Thing” nichts neues und beweist, dass die klaustrophobische “Alien-Invasion” vor allem von guten und interessanten Figuren lebte. Beides hat Heijningen’s Film nicht zu bieten und ist von einer Wahrnehmung als guter Horror-Streifen weit entfernt.

Es sollte lieber wieder zu Carpenter’s Original gegriffen werden! So war Heijningen’s Film doch noch zu etwas gut … Mit seinen neuzeitlichen Fehlern bestätigte er den bedeutenden filmischen Wert seines Vorgängers.

Fotos im Eigentum der Universal Studios

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